Tablets um jeden Preis?

Tablets um jeden Preis? So könnte man den kürzlich gegen unsere Stimme gefassten Beschluss zur Bezuschussung von iPads für den Schulunterricht überschreiben. Die Gründe, warum wir gegen einen großen Teil der Beschlussvorlagen gestimmt haben, erläutern wir hier. 

Auf der letzten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Schule und Sport der Stadt Barmstedt stand als einziger wesentlicher Tagesordnungspunkt die Anschaffung von elternfinanzierten Endgeräten (iPads) für die weiterführenden Schulen Barmstedts auf der Tagesordnung.

Erneut zur Diskussion stand damit ein bereits im August im Ausschuss gefasster und von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN unterstützter Beschluss, sowohl am Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasium (CFvWG) als auch an der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) jeweils einen Pilotjahrgang mit iPads auszustatten und den Eltern “drei Modelle zur Beschaffung” anzubieten: der Erwerb über eine Finanzierung oder per Sofortkauf und die Möglichkeit, die Geräte zu leihen. Beschlossen – und später auch von der Stadtvertretung bestätigt – wurde damals eine Leihgebühr von 5,00 € pro Gerät, sowie eine Ermäßigung für Geschwisterkinder von 25 % für das 2. Kind und 50 % für das 3. sowie alle weiteren Kinder. Für den darüber hinaus gehenden pädagogischen Bedarf sollen den Schulen iPad-Koffer, die aus dem Digitalpakt des Bundes finanziert werden, zur Verfügung gestellt werden.

Ziel des Pilotjahrgangs sollte nach unserem Verständnis sein:

  • Die Frage zu beantworten, welche Beschaffungsmodelle von den Eltern in Anspruch genommen werden
  • Zu klären, wie hoch der Anteil von bereits vorhandenen Geräten der Schüler:innen sein wird (“Bring your own device”)
  • Die dauerhaften finanziellen Auswirkungen auf den städtischen Haushalt verlässlich zu prognostizieren
  • Erfahrungen in der technischen Umsetzung und der pädagogischen Praxis mit den Geräten zu sammeln

Mit einer zeitnahen Überprüfung/Evaluierung sollte, so der Wunsch von uns GRÜNEN und Konsens der Entscheidung vom August letzten Jahres, sichergestellt werden, dass die weitere Beschaffung von iPads haushaltspolitisch solide, sozial verträglich und sowohl technisch als auch pädagogisch fundiert umgesetzt wird.

Mit der jetzt erfolgten, überhasteten Entscheidung werden genau diese Vorhaben ad absurdum geführt. Während sich FWB, CDU und SPD in der Einmal-Bezuschussung der Endgeräte durch die Stadt geradezu überboten, verwiesen allein die GRÜNEN und die BALL auf den bereits aus guten Gründen gefassten Beschluss zur Einführung von Pilotjahrgängen. Im jetzt letztlich mehrheitlich angenommenen Beschluss verblieben wir GRÜNEN jedoch einzig als (Gegen-)Stimme der Vernunft.

Der nun beschlossene Antrag, der dauerhaft eine Geräte-Bezuschussung von 100 € bzw. 125 € für Geschwisterkinder vorsieht, wurde ohne eine seriöse Ermittlung der potenziellen Kosten für die Stadt Barmstedt gefasst. Diese Entscheidung halten wir unter den genannten Umständen ebenso für unverantwortlich wie die Argumentation von SPD und BALL, dass es “im Zuge der kommenden Wahlen im Laufe der nächsten Monate vielleicht ja noch weitere Bundes- oder Landesmittel geben werde”. Mit anderen Worten: Wir wissen zwar nicht, was es uns kosten wird, aber irgendjemand wird schon zahlen! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

Auch einer Erhöhung der Leihgebühr auf jetzt 7 € statt der bereits vereinbarten 5 € konnten wir unter diesen Umständen nicht zustimmen.

Mit Zustimmung von uns GRÜNEN wurde jedoch die Bereitstellung von kostenlosen Leihgeräten für Empfänger:innen von BuT-Mitteln (Bildung und Teilhabe) und eine Kostenübernahme in Höhe von 35 € für die Einbindung von bereits in den Haushalten vorhandenen iPads in die Schul-IT verabschiedet.

 

Autor: Jens Herrndorff

1 Kommentar

  1. Ingrid Körner - B.

    Ja, deine Argumente kann ich nachvollziehen, ist nur grad nicht die Zeit für seriöses Abwägen, sondern eher Panikmodus: Wenn schon testen und impfen nicht klappt, soll wenigstens Geld für Tablets rausgehauen werden in der Hoffnung, dass es als gute Investition bewertet wird.
    Und in der Öffentlichkeit wird es als gute Investition bewertet…

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