Gleichstellung in Barmstedt: Da geht noch was!

Manchmal sprechen Zahlen für sich:

Aktuell (März 2021) hat die Stadt Barmstedt 23 Stadtvertreter*innen.

 

17 Männer und 6 Frauen

 

Es sind also fast drei Mal so viele Männer vertreten wie Frauen.

Für die einzelnen Parteien sieht die Verteilung wie folgt aus:

FWB          5 Sitze       davon 1 Frau

CDU          6 Sitze       davon 1 Frau

SPD           5 Sitze       davon 2 Frauen

BALL         5 Sitze       davon 1 Frau

GRÜNE     2 Sitze       davon 1 Frau

 

Ist das eine angemessene Repräsentation von Frauen in dem entscheidenden kommunalen Gremium unserer Stadt im Jahr 2021?

Wir GRÜNEN denken: Nein.

Natürlich sind auch wir GRÜNEN nicht der Auffassung, dass Frauen per se eine bessere Politik machen als Männer, aber wir sind ganz entschieden der Meinung, dass Ungleichheiten in der politischen Repräsentation dringend abgebaut werden müssen.17 Männer und 6 Frauen in der Stadtvertretung: das ist schlicht ungerecht, lässt die Interessen von Männern (hauptsächlich 60 plus) alternativlos erscheinen und erinnert mehr an das vorletzte Jahrhundert als an das Jahr 2021.

 

Für die GRÜNEN gilt seit dem Jahr 1986 das Frauenstatut. Dies legt fest, dass in allen grünen Gremien und auf allen grünen Wahllisten Mindestparität gilt. Reine Männerslisten gibt es nicht, Platz 1,3,5,… sind Frauenplätze, reine Frauenlisten sind möglich (gab es bisher aber nur 1 Mal, im Unterschied zu reinen Männerlisten, die gibt es dauernd, aber zum Glück nicht bei den GRÜNEN). Inzwischen ist belegt, dass diese Frauenquote ein wirksamer Hebel zu mehr politischer und ökonomischer Teilhabe von Frauen ist: die Quote ist das Erfolgsmodell für weibliche Partizipation. Deshalb sind unsere Listen quotiert.

 

Was ist nun unsere Vorstellung von einer zeitgemäßen Frauenpolitik in Barmstedt?

Ausgangspunkt für unsere Überlegungen zu diesem Thema ist die Überzeugung, dass jede Politik auf die Verhältnisse der Geschlechter einwirkt. Insofern ist grün – feministische Frauenpolitik eine Querschnittsaufgabe: politisch, kulturell und sozial. Frauen in ihren Interessen zu fördern fängt bei einer bedarfsgerechten Kinderbetreuung an (Kita, Ganztagsschule,…), befasst sich mit allen Themen der Stadt- und Verkehrsplanung (“Gemeinsamnachhaltigmobil“) und hört bei der Frauenförderung im Rathaus noch lange nicht auf.

 

Um Frauenpolitik als Querschnittsaufgabe in der Barmstedter Stadtpolitik zu etablieren, setzen wir auf die Zusammenarbeit mit den Frauen der anderen Fraktionen und streben eine enge Zusammenarbeit mit der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten an, sofern die Stelle dann endlich besetzt ist.

 

Je mehr Frauen als Stadtvertreterinnen aktiv sind, desto differenzierter können Fraueninteressen zur Geltung gebracht werden. Deshalb quotieren wir unsere Listen und denken, dass Quotierung für alle Parteien notwendig ist, auch in der Stadt Barmstedt. Keine Frau kann schließlich “für alle Frauen” sprechen. Es erwartet ja auch niemand, dass ein Mann als Alibimann für alle Männer spricht. Frauen sind schließlich nicht alle gleich und haben auch nicht alle die gleichen Interessen.

 

“Letztlich hat es der Feminismus eben doch auf den Status quo  abgesehen, und nach dem Status quo haben Männer mehr soziale Macht als Frauen. Dem Feminismus geht es um Gerechtigkeit, um Umverteilung von Wohlstand, Macht und Einfluss; es geht ihm darum, die alte Ordnung zu ändern, nachdem Männer in der Menschheitsgeschichte so gut wie immer von allem am meisten hatten.” (Laurie Penny)

 

Ingrid Körner – Bornholdt

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