Stellungnahme: Elternfinanzierte digitale Endgeräte

Im Rahmen der Sitzung des Ausschusses für Kultur, Schule und Sport der Stadt Barmstedt am 20.05.2020 wurden die Fraktionen gebeten, ihre Stellungnahmen zur Frage elternfinanzierter digitaler Endgeräte an den Barmstedter Schulen abzugeben, der wir mit einem Schreiben an die Stadtverwaltung vom 09.06.2020 wiie folgt nachgekommen sind:

Vorausschicken möchten wir, dass nach unserem Empfinden bisher keine ergebnisoffene und transparente Diskussion über die zu verwendende Hard- und Software geführt wurde. An dieser Stelle sehen wir deutlichen Nachholbedarf. Der Beschluss Ausschusses für Kultur, Schule und Sport vom 09.05.2019 sieht vor, dass mit einem System gearbeitet werden soll und die Entscheidung, welches System genutzt werden soll durch den Schulträger nach Abstimmung mit den Schulen und umfangreicher Informationsrecherche getroffen werden soll.

Zu diesem Verfahren gehört für uns unabdingbar auch die Einbeziehung der SchülerInnen, der Elternschaft und ein offener, transparenter Entscheidungsprozess. Diese Schritte vermissen wir als BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bisher. Ergebnisse einer umfangreichen Informationsrecherche mit Erläuterung der Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Systeme und fundierte Stellungnahmen dazu liegen uns bisher nicht in ausreichendem Umfang vor.

Wir befürworten weiterhin den Beschluss zur Nutzung eines einheitlichen Systems für alle Barmstedter Schulen im Sinne der Administrierbarkeit, der Wartung, der Kosteneffizienz und der Verwendung der Geräte im Unterricht.

Allerdings ist die Frage nach dem geeigneten Gerätetypus, der sich nach unserer Auffassung klar nach den pädagogischen Erfordernissen zu richten hat, noch nicht ausreichend diskutiert worden. So können Tablets für den Einstieg in das digitale Lernen für jüngere SchülerInnen sinnvoll sein, während für ältere SchülerInnen möglicherweise Laptops den Anforderungen eines gelingenden Unterrichts weitaus besser genügen.

Unabhängig von der Betriebssystem- und Gerätefrage sehen wir den Grundsatz der Lernmittelfreiheit als ein hohes Gut an. Schulische Bildung darf nicht zur Zwei-Klassen-Gesellschaft führen. Auch digitale Bildung muss für alle SchülerInnen, unabhängig von der Finanzkraft des Elternhauses, ohne Nachteile möglich sein. Bildungsgerechtigkeit und die Möglichkeit zur Teilhabe müssen hierbei die Kriterien unserer Entscheidungen sein.

Aufgrund dessen sehen wir die Anschaffung von digitalen Endgeräten für die SchülerInnen durch die Eltern als problematisch an, auch im Rahmen einer Finanzierung. Finanzschwache oder kinderreiche Haushalte würden durch diese Ausgaben stark belastet. Auch die Finanzierung der Verwaltungskosten und kostenpflichtiger Apps für den Schulgebrauch sind in unseren Augen Aufgaben, die vom Schulträger zu übernehmen wären. Mit Übernahme der vollständigen Kosten und dem Erwerb durch die Schulen stünde nach unserem Empfinden zudem die Entscheidung über Geräte und Betriebssystem unter Berücksichtigung der pädagogischen Erfordernisse dem Schulträger zu. Die Geräte wären den SchülerInnen möglichst kostenfrei, alternativ gegen Gebühr unter Berücksichtigung einer wirksamen Sozialstaffel, als Leihgeräte zur Verfügung zu stellen.

Mit dieser Lösung und der Bindung der Geräte an die Schulen stünden Eltern im Falle eines Schulwechsels außerhalb Barmstedts zudem nicht vor dem Problem, möglicherweise neue Endgeräte für Ihre Kinder aufgrund eines anderen Systems an der neuen Schule anschaffen zu müssen.

Selbstverständlich muss bei all diesen Betrachtungen auch stets die Haushaltslage der Stadt berücksichtigt werden, zumal die Höhe der Barmstedt aus dem Digitalpaket des Bundes zustehenden Mittel bisher noch nicht endgültig feststeht.

Auch wenn uns die Corona-Pandemie die Dringlichkeit einer zügigen Digitalisierung des Unterrichts vor Augen geführt hat, möchten wir darum bitten, keine übereilten Beschlüsse zu fassen und eine konstruktive, umfassende und sachliche Debatte über diese Herausforderung im Interesse der SchülerInnen, Eltern und Schulen zu führen.

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