Genossenschaften als Alternative zum sozialen Wohnungsbau

Der Wohnungsmarkt bleibt auch in Barmstedt weiter angespannt. Wie in der Barmstedter Zeitung vom 23.04.20 zu lesen war, fordert die BALL den Bau von Sozialwohnungen in Barmstedt, doch was bedeutet sozialer Wohnungsbau heutzutage eigentlich?

Niedrige Standards im sozialen Wohnungsbau und keine langfristige Sicherheit

Sozialer Wohnungsbau wird durch konkrete Förderkriterien definiert: die öffentliche Förderung ist dabei an Flächen- und Ausstattungsnormen gebunden. Ein wesentlicher Nachteil des sozialen Wohnungsbaus besteht darin, dass die Sozialbindung zeitlich begrenzt ist. Nach Ablauf von Fristen können höhere Mieten verlangt werden, so dass diese Wohnungen für Geringverdienende wieder wegfallen.

Zudem genügt der Wohnstandard im sozialen Wohnungsbau häufig nur niedrigsten Ansprüchen. Einfachste Ausstattungen, wie wir sie in den Wohnungen der Immobilien-Großkonzerne vorfinden, die die BALL doch so verteufelt, sind die Regel: ausgestattet mit den allereinfachsten Bädern, oftmals ohne Einbauküchen, als Boden gerne nackter Estrich – und behindertengerecht sind die wenigsten. Geballter sozialer Wohnungsbau kann zudem zur Separierung und Stigmatisierung von einkommensschwachen Menschen und Familien führen.

Ist es das, was wir unseren Bürgerinnen und Bürgern mit einem geringen Einkommen zumuten wollen? Nein, sagen wir als BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN, bezahlbarer Wohnraum muss nicht ohne normalen Komfort einhergehen. Die Stadt Barmstedt hat bereits mit dem Wohnungsbau in der Feldstraße gezeigt, dass ein zeitgemäßer Wohnstandard nicht zu hohen Mieten führen muss. Aber auch hier bleiben MieterInnen von Vermietern abhängig.

Genossenschaftsmodell als Alternative

Wie es anders gehen kann, zeigen hingegen Genossenschaften. Sie zeichnen sich durch bezahlbare Mieten aus und, was wir als BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN vorbildlich finden, durch das Mitspracherecht der MieterInnen. Außerdem können MieterInnen in der Regel bei den Planungen mitgestalten. Genossenschaften sind sozial, bezahlbar und integrativ.

Von diesem Modell profitieren nicht nur die BewohnerInnen, auch die Stadt, denn genossenschaftliche Wohnformen können eine Vielzahl von Vorteilen bieten:

  • Günstige Mieten
  • Lebenslanges Wohnrecht
  • Dividenden auf Geschäftsanteile
  • Persönliche Betreuung
  • Mitbestimmungsrecht
  • Soziales Engagement

Bleibt die Frage nach einem geeigneten Grundstück. Hat die BALL eins für uns? Das wäre super!

Wir von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN schlagen dafür das Grundstück am Krückaupark vor. Hier könnten zentrumsnah ca. 10 genossenschaftliche Wohnungen entstehen. Eine Bebauung mit exklusiven Eigentumswohnungen für Besserverdienende lehnen wir weiterhin strikt ab.

Mit dem Bekenntnis für eine genossenschaftliche Wohnbebauung stellen wir uns jedoch unserer Verantwortung und treiben die Ideenfindung für das Areal, dessen Bebauung von der Barmstedter Politik mehrheitlich, jedoch gegen unsere Stimmen, beschlossen wurde, konstruktiv voran.

Wir als BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN wünschen uns eine zeitnahe und konstruktive Diskussion über unseren Vorschlag – gerne auch unter Einbeziehung des Vereins Humburghaus als Besitzer des Grundstücks, zur Entwicklung eines gesellschaftlich relevanten und sozialen Wohnprojekts im Herzen unserer Stadt. Alternativ könnten ähnliche Überlegungen für das in Planung befindliche Baugebiet am Jittkamp forciert werden. Auch dort wäre Platz, statt eines weiteren Einfamilienhaus-Areals ein gemeinschaftliches Wohnprojekt umzusetzen.

Für ein bezahlbares und wirklich soziales Wohnen in Barmstedt!

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